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Peter Schellenbaum - Abschied von der Selbstzerstörung Dritter Teil: Wege des Eros aus der Selbstzerstörung Kapitel: "Willst du umarmt werden, so öffne deine Arme"
[...] Doch gebe ich Ihnen als erstes einen Satz wieder, den eine fünfundreißigjährige Frau im Traum gehört hat. Er übersetzt Platons Bild der menschlichen Ganzheit als Verbindung zweier Kugelhälften in die direkte Erfahrung: >> Die Hälfte, die dich liebt, schaut dich täglich an <<. << Ganzheit ist Kontakt zur >> anderen Hälfte << , sowohl in einer Partnerschaft als auch in der eigenen Persönlichkeit. Die >> ANDERE H ÄLFTE << ist weitgehend unbekannt und schwer faßbar. Eine widersprüchliche Faszination verbindet uns mit ihr. Je mehr wir sie einbeziehen können, desto mehr Energie haben wir zur Verfügung. Deshalb ist sie die Erfahrung strömenden Lebens schlechthin. Der Weg zu ihr ist nicht der Weg des aktiven Willens, sondern der Einsicht: Die andere Hälfte sucht mich, weil sie mich liebt. Das einzige, was ich zu tun brauche, ist mich nicht zu verstecken. Mein unbekanntes Leben liebt mich. Das ist die die subjektive Erfahrung des Eros. Ähnliches meint wohl auch, psychologisch gesehen, der erste Johannesbrief mit dem Satz: >> Er hat uns zuerst geliebt. << Die wesentliche Aktivität ist bloße Antwort - auf das Unbewußte, den Partner, Gott, oder wie immer wir es sehen und nennen. Die fremde Hälfte liebt mich. Deshalb schaut sie mich an. Die Öffnung zur Innen- und Außenwelt beruht auf dieser Uererfahrung, die in den meisten von uns durch den >> Glanz im Auge der Mutter << belebt wurde. Doch die Urerfahrung ist noch ursprünglicher.
Kapitel: Heilende Impulse aus der winzigen, weichen Bewegung
[...] Doch auf eine neue, direkte, von inhaltlichen Botschaften unbelastete Weise beginnen viele Menschen einander Signale zuzusenden. Es geht dabei, wie gesagt, nicht mehr um >>gute Botschaften<< und rettenden Theorien, sondern zunächst bloss um Standortbestimmungen: >> HIER BIN ICH - DORT BIST DU. << Was verbindet dich und mich im Raum zwischen uns beiden? Zunächst kein gemeinsames Credo und keine gemeinsamen Pläne und Aufgaben. Der Zwischenraum ist leer. Er ist Beziehung. Diese rührt uns an und läßt eine leise Schwingung zwischen uns entstehen. Wir stehen wieder am Anfang der SCHÖPFUNG VOR DER NAMENSGEBUNG. Bevor du dieser oder jener bist, bist du du: ein Gegenüber, ein Gegenpol, das andere Ende der Saite, die zwischen uns zu schwingen anfängt. So beginnen wir wie Narren mit der Walkie-talkie-Kommunikation das Leben neu und verbinden uns im >>unendlich Kleinen<< dieses Augenblicks miteinander: >> HIER BIN ICH <<
Kapitel: Umkreisungen der Liebe
Der Abschied von der Selbszerstörung geschieht in der Liebe. Unter Liebe verstehe ich kein passives Gefühl, von dem wir uns zu fernen Inseln des Glücks schwemmen lassen, sondern schaffende Hingabe: wache Verbundenheit und aktives Einstimmen in die Melodie, die dich und mich beseelt. Sie ist D A -S EIN für den anderen. Verzicht auf das uns beiden Un- mögliche und gemeinsame Gefühlspräsenz im Möglichen, jetzt Wirklichen. Sie ist der Klang der Seele mit dem großen Widerhall. In ihr werde ich zu einem P UNKT OHNE A USDEHNUNG : zum Schnittpunkt deines und meines Lebens, zu Schweigen und Leere. Doch im Raum zwischen dir und mir schwingt eine Fülle anklingender Akkorde. L IEBE BEDEUTET , INS D UNKLE DES N ICHTS TRETEN . Sie ist Musik zwischen zwei Schweigenden, flutendes Licht zwischen zwei Dunkelheiten, Leben zwischen zwei Toten. [...] In drei Umkreisungen möchte ich Sie an Ihre Erfahrungen mit der Liebe erinnern. Damit in deren Bewußtmachung die Liebesfähigkeit wachse. Ich werde Ihren Blick regelmäßig auf die Selbstzerstörung als dunklen Kontrast zur Liebe lenken. Er soll uns davor bewahren, uns in die Liebe zu verlieben, statt uns für die Welt zu öffnen, und uns helfen, die reale Spannung zwischen den aufbauenden und zerstörerischen Impulsen mit wachem Bewußtsein auszuhalten. Ich bezeichne die drei Umkreisungen der Liebe als Leitbildspiegelung Begegnung mit dem leeren Spiegel Stellvertretung und Solidarität Bevor wir uns in die DREI U MKREISUNGEN der Liebe einlassen, erwähne ich zwei Formen menschlicher Beziehung, in denen die Liebe verfehlt wird. Es sind sogenannte S PIEGELBEZIEHUNGEN , die dem N ARZIßMUS eigen sind. Ihre Befreiung [...], in der sich die Liebe ausdrückt, geschieht durch die Leitbildspiegelung und die Begegnung mit dem leeren Spiegel, die ersten zwei Umkreisungen der Liebe. [...] Die Leibildspiegelung ist unsere erste Umkreisung der Liebe. [...] [...] Es ist NICHT ZUFÄLLIG , dass gerade dieser Mensch, Sie mehr als andere zutiefst in ihrem Gemüt bewegt. Dies hängt zum Teil mit Ihren Projektionen zusammen, die sowohl aus den noch unverarbeitenden früheren Beziehungen zu Ihren Eltern und Geschwistern (Freud) als auch Ihren noch nicht realisierten unbewußten Lebens- möglichkeiten (Jung) stammen. Doch erfassen Projektionen immer auch einen Teil der Wirklichkeit des sogenannten Projektionsträgers, also hier des Menschen den sie lieben. Die unbewußte Mischung der projizierten Vorstellungen mit dem Kern Wahrheit gibt Ihrer Beziehung etwas Zwingendes und Unfreies. Wird Ihrer Beziehung durch unpassende Projektionen zunehmend behindert, etwa weil der andere das Bild, das sie ihm überstülpen, zu protestieren beginnt, bedeutet das für sie ein Signal, ihre Projektionen soweit wie möglich bewußt zu machen und zurückzunehmen und gleichzeitig auch den Kern Wahrheit herauszuschälen, der Sie zur Liebe gerade zu diesem Menschen bewegt. Wenn ihr Gegenüber sie jetzt nach der größtmöglichen Rücknahme Ihrer Projektionen immer noch interessiert, belebt, beschäftigt, ärgert, drucheinanderbringt, zum Nachdenken motiviert, bedeutet dies folgendes: Er verkörpert in seinen HERVORSTECHENDEN W ESENSZÜGEN Eigenschaften und Fähigkeiten, die auch in Ihnen schlummern und jetzt unbedingt geweckt werden möchten. I N SEINEM S PIEGEL NEHMEN S IE EIN REALISTISCHES L EITBILD - keine bloße Projektion - für Ihre jetzt angezeigte Entwicklung wahr. Ihre Liebe zu ihm weist Ihnen die Spur zu sich selber: D AS IST L EITBILDSPIEGELUNG . Liebe ohne gegenseitige Leitbildspiegelung ist auf Dauer nicht möglich; denn nach den Phasen der ersten Verliebtheit und der zunehmenden auch negativen Projektionen haben sie eigentlich nur die Wahl, Ihre Liebe absterben zu lassen oder die gegenseitige Leitbild- spiegelung zu erlernen. [...] Aus dem Gesagtem geht hervor, dass es sich bei der Leitbildspiegelung nicht um die äußerliche Nachahmung eines unpassenden Vorbildes handelt. Solange sie sich frei und schöpferisch fühlen, sind sie der Versuchung zur bloßen Nachahmung nicht zum Opfer gefallen. [...] Die Grenze zwischen Anpassung und Leitbildspiegelung ist nie völlig eindeutig zu ziehen, ebensowenig wie die Grenze zwischen Projektion und Leitbildspiegelung. Das Leitbild, das Sie im anderen sehen, ist für sie ein SYMBOLISCHES B ILD , das heißt, es entspricht nicht photographisch genau der Realität des anderen. Dieser bleibt für sie immer geheimnisvoll. Das merken sie daran, dass er Ihnen ein L EBEN LANG R ÄTSE l aufgibt. Und doch berühren sie in Ihrer Leitbildspiegelung etwas Wahres in ihm. [...] Im Gegensatz zur Projektion geschieht die Leitbildspiegelung bewußt. [...] Doch die eigentliche Entwicklung geschieht in der gegenseitige Leitbildspiegelung. [...] Obschon die Leitbildspiegelung [...] ein bewußter Vorgang ist, bedeutet sie doch KEINE J EDERZEIT ABRUFBARE M ETHODE . Denn nicht sie ist der Ursprung der Liebe; sie fördert bloss deren Verwurzelung und Entfaltung. Wenn diese ein kleine Gebärde [...] diese bestimmte Bewegung [...] oder Überlegung Sie nicht im Kern ihrer Seele trifft und ergreift, sind sie nicht zur Leitbildspiegelung, zur Umwandlung der äußeren Bewegung in inneres Leben motiviert. Denn die Leitbildspiegelung kann auch ein SCHWIERIGER , SCHMERZHAFTER P ROZEß SEIN . [...] Und sogar dann tun wir es bloss, wenn Liebe uns bewegt. Leitbildspiegelung ist kein Programm, sondern ereignet sich nur in der offenen Gefühlspräsenz für diesen A UGENBLICK , wenn wir gemeinsam fließen. Dann weckt jeder im anderen kleine, neue Bewegungen, die uns einander näherbringen und bei allen Meinungsverschiedenheiten Einverständ- nis schaffen. Dank solcher Leitbildspiegelung mag es uns gelingen, die ANGSTVOLLE Isolierung des narzißtischen M ENSCHENTYPUS zu überwinden, denn die Öffnung auf die Welt hin bedeutet keinen Identitätsverlust mehr, sondern im Gegenteil eine bewußte E RWEITERUNG UNSERER P ERSÖNLICHKEIT , die Erfahrung einer offenen, fließenden Identität [...]. In einer Welt von mechanischen, toten Rhythmen weckt die Leitbildspiegelung das Gespür für lebendige Bewegung in einem immer vielefältigeren Zusammenspiel. Die Starrheit des N ARZIß LÖST SICH . Er verwechselt die Welt nicht mehr mit seinem Spiegelbild, sondern kann, sich von ihr abgrenzen, gleichzeitig neue Lebensimpulse von ihr aufnehmen. Darin ist er Jakob vergleichbar, der sich in seinem Kampf mit dem Engel gleichzeitig vom Gegener kämpferisch abgrenzt und ihn doch anlockt, um im Segen seine Kraft zu übernehmen. Diese Verbindung abgrenzender Selbstbehauptung und aufnehmender Liebe, die die Leitbildspiegelung kennzeichnet, ist besonders deutlich auf einem großen Freskogemälde von Delacroix in der Kirche Saint-Sulpice von Paris zu erkennen, das Jakobs Kampf mit dem Engel darstellt. Die Leitbildspiegelung bedeutet also nicht unbewußte Verschmelzung, sondern bewußte innere Verbindung. Daher wird das, was Sie dabei von sich selber erfahren, immer unabhängiger von dem die Leitbildspiegelung auslösenden geliebten Menschen. Auch mit dessen Tod erlischt diese Erfahrung nicht. [...] In unserer zweiten Um- kreisung der Liebe stoßen wir auf den leeren Spiegel. Die Begegnung mit dem leeren Spiegel ist die Antwort auf die zu Beginn dieses Kapitels beschriebene zweite Form der narzißistischen Spiegelbeziehung, nämlich auf die Gefahr, sich in einer Beziehung unbewußt ins Du hinein zu entleeren: die Gefahr des I CH - Verlustes. In der Liebe, insofern sie die B EGEGNUNG MIT DEM LEEREN S PIEGEL ist, entleeren wir uns ebenfalls ins Du hinein. Wie in einem tiefen, dunklen Spiegel verlieren wir uns in ihm, ohne jeden Gedanken an Verwertung, >> Verseelung<<, Vereinnahmung des Du. Darin liegt ihr Unterschied zu Leitbildspiegelung. Das du existierst einzig und allein um seiner selbst willen. Die Hingabe ist OHNE E IGENNUT z, also >> ich-leer>>. Es geht nicht mehr um Spiegelung eines mir unbekannten eigenen Persönlichkeitsanteils durch das Du, sondern um den Spiegel selbst, die Hingabe an das Du. Der Unterschied zur narzißtischen Störung der Ich-Entleerung liegt in der wachen Bejahung dieser Hingabe, die also nicht unbewuße Verschmelzung, sondern bewußtes Loslassen der alten Identität bedeutet. Das kleine Licht fortwährender Aufmerksamkeit soll uns davor bewahren, mit dem Du, in das wir uns verlieren, identisch zu werden. In der Begegnung mit dem Spiegel ist das Ich nichts anderes mehr als eben diese liebenden Aufmerksamkeit für das Du. [...] Der Augenblick der Liebe ist eine S CHALTSTELLE DES L EBENS . Gleichzeitig sind wir in der Bewegung der Hingabe völlig geborgen. Solche Begegnung mit dem Spiegel führt zur Erfahrung des leeren Unbewußtseins, während die Leitbildspiegelung in der Belebung des eigenen Lebenspotentials durch das Du zur Erfahrung des Kollektiven Unbewußten führt. [...] Wir begegnen nicht nur bei den G OTTESMYSTIKERN , sondern auch bei den Liebesmystikern dem Bild des Spiegels. Lieben heißt >> in einen Spiegel fallen >>, >> sich im Augenspiegel des/der Geliebten verlieren <<. Die eigentliche Lust kommt aus dem V ER - LUST D ES I CHS , das Leben strömt aus dem Tod, die Fülle aus der Leere. Der französiche Dichter Stephane Mallarme hat im 19. Jahrhundert an diese Erfahrung des leeren Spiegels bei den Troubadours angeknüpft. Der >> Tod des Dichters << ist mit der Geburt des Werkes identisch. Narziß stirbt, aber an seiner Stelle blüht eine Blume. Ebenso ist das Werk des Liebenden die Liebe. Sein Blick gilt einzig dem Du. Das Du ist für mich Spiegel seiner selbst, also Spiegel nach innen, ähnlich wie wir vom Auge als Spiegel der Seele sprechen. In der Leitbildspiegelung dagegen ist das Du, Spiegel nach außen für den Betrachter. In der Begegnung mit dem leeren Spiegel verliert sich der Liebende in die tiefe des Du und erfährt im Augenblick der intensivsten Hingabe absolute Freiheit von allen Vorstellungen, Denkstrukturen, Lebensgewohnheiten, sozialen Konventionen. In diesem Moment ist er wirklich nichts anderes als B EWEGUNG , L EBENSFLUß , LUSTVOLLES >>S ICH - E NTSTERBEN >>, INHALTLOSE E NERGIE , fließender Punkt ohne Ausdehnung. Für Mallarme ist die Liebe für eine Frau mit der Liebe des Todes identisch. Der leere Spiegel meint die Todeserfahrung in der Liebe als intensivstes Leben: den >> KLEINEN << T OD , nicht nur im sexuellen Orgasmus, sondern in jedem Augenblick, da wir hingerissen durch ein Du alles tun, um sein Leben zu suchen. Der Spiegel ist leer, weil wir nicht mehr ihn sehen und uns in ihm betrachten, sondern ihn bereits druchschritten haben und nur noch das Du im Auge haben. Jetzt sehen wir die R ÜCKSEITE DES S PIEGELS , die mit dem Du identisch ist. Dies ist die idealtypische Beschreibung eines Vorgangs, den es in dieser Einseitigkeit nicht geben kann. Doch als eigentümliche Tönung der Liebe ist die Begegnung mit dem leeren Spiegel keineswegs eine Utopie, sondern jedem Liebenden bekannt. Nur zusammen mit den beiden anderen Aspekten der Liebe, nämlich der Leitbildspiegelung und der Stellvertretung, läßt sie sich real verwirklichen. [...] >> Der Tod des Ich in der Hingabe << bedarf der Wachheit, um nicht in S ELBSTZERSTÖRERISCHE V ERSKLAVUNG umzuschlagen. Ob der Troubadour seine Laute schlägt, ein Vertreter des Bhakti-Yogas, das heißt des Yogas der Liebe, oder ein Boddhisatva aus >>universalem Mitgefühl<< heraus banale Dienste am Mitmenschen leistet, ob der verrückte Franziskus ein Spinnengewebe flickt oder eben: ob Liebende essen, arbeiten, sich umarmen, trauern, lachen oder einsam sinnen: immer ist die Wachheit der entscheidende Unterschied zu einem regressiven Ich-Verlust. Die Liebe als leerer Spiegel ist wohl der deutlichste Ausdruck der Psychoenergetik: Es geht um die Ermöglichung des Sterbens in diesem Augenblick, also um die Überwindung der T ANATOPHOBIE (Scheintod). [...] Die dritte Umkreisung der Liebe, nämlich das P RINZIP DER S TELLVERTRETUNG und Solidarität, gründet wie dei Bewegung mit dem leeren Spiegel auf einer Todeserfahrung. Diese jedoch ist anderer Art. Es geht nicht mehr um die lustvolle Entleerung des Ich ins Du, sondern um Begrenzungen, die Ihnen vom Schicksal aufgezwungen werden oder einfach gegeben sind, also um Krankheit, Behinderungen aller Art, oder allgemeiner um natürliche, anlagemäßige Grenzen der Persönlichkeit, sei es bei Ihnen selbst, sei es bei Ihrem Partner. Eben diese schwierigen Grenzen werden zu >> Berührungslinien <<, wenn wir sie im Geiste der OFFENEN I DENTITÄT annehmen. In jeder Liebesbeziehung gibt es bei beiden Partnern viele Beschränkungen. Wir können wie Sisyphos degegen rebellieren, indem wir die Partnerschaft an die Bedingungen der Vollkommenheit des Du knüpfen. Erst dann erleben wir solche Grenzen als unüberwindliche, tragische Todeserfahrungen. Oder wir können uns in den Begrenzungen beider miteinander solidarisieren, so daß jeder in bestimmten Bereichen zum Stellvertreter des anderen wird. Dann werden die auch durch das größtmögliche Engagement nicht zu überwindenden Grenzen zum Ausgangsort neuer Berührung, neuer Liebe. Das verstehte ich unter dem Prinzip der Stellvertretung und Solidarität. Diese begrenzt auch die Möglichkeiten und Leitbildspiegelung: WIR KÖNNEN NICHT ALLES IN UNSEREM PARTNER VERSEELEN. Zwar ist unser Entwicklungspotential theoretisch unbegrenzt, weil wir in uns das Wissen der ganzen Menschheit tragen. Doch uns mit diesem zu identifizieren käme einem inflativen Ich-Verlust gleich. Wir würden in die Falle der narßistischen Spiegelbeziehung treten, in der die Umwelt mit dem Ich verwechselt wird. Der individuelle Tod ist der deutlichste Hinweis auf die konkreten Grenzen, die der Selbstverwirklichung gesezt sind. Unsere Ahnung vom Menschen gehen weiter als unsere individuellen Entfaltungsmöglichkeiten. Und doch können wir uns dank dem gelebten Prinzip der Stellvertretung, über die individuellen Grenzen hinaus mit vielem verbinden, was zu entwicklen uns als Individuen verwehrt ist. In dieser dritten Umkreisung nähern wir uns also der KOLLEKTIVEN D IMENSION DES E ROS . Sie konkretisiert die erotische Einstellung und läßt uns dem planetarischen Bewußtsein (Teilhard) näher kommen. Daraus folgt eine ebenso realistische wie radikale Relativierung des Individium. Jetzt geht es darum, den Zusammenhang der offenen Beziehungsidentidät mit dem menschlichen Kollektiv ins Auge zu fassen.
Quelle Bild: Pixabay
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